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FTD, 08. April 2009, Seite 28
Sie sucht Ihn Von Sven Becker Die amerikanische Börsenaufsicht SEC sucht einen Kroaten wegen Insiderhandels. Dafür veröffentlicht sie eine Vorladung samt Steckbrief des Angeklagten - als regelmäßige Anzeige in einer deutschen Tageszeitung Die Annonce hat nur einen Adressaten: "Notiz an Bruno Verinac" steht über der Anzeige, die seit einigen Wochen immer wieder im Wirtschaftsteil der Tageszeitung "Die Welt" erscheint. Im dazugehörigen knappen Text fordert die US-Börsenaufsicht SEC den Kroaten auf, sich binnen 20 Tagen zu melden. Der Vorwurf: Insidergeschäfte. Angeblicher Schaden: rund 12,8 Mio. $. Und wie es sich für einen ordentlichen Steckbrief gehört, wird der letzte bekannte Wohnsitz des Beschuldigten gleich mit angegeben: Everlingweg, 22119 Hamburg. Die Verbrecherjagd per Zeitungsanzeige wirkt kurios, ist aber gängige Praxis. "Solche Methoden nutzen wir, wenn es unmöglich ist, die Vorladung persönlich zu übergeben", erklärte die SEC kroatischen Medien, in denen die Anzeige ebenfalls veröffentlicht wurde. Das Geld für die "Welt"-Anzeige hätten sich die Amerikaner dagegen sparen können: Bruno Verinac hat Hamburg längst verlassen, äußerte sich nun in einer kroatischen Tageszeitung - und ist in Split auch telefonisch zu erreichen. Zu den Vorwürfen gegen ihn will er nichts sagen, aber eines ist ihm doch wichtig: "Rufen Sie nie wieder unter dieser Nummer an", sagt Verinac in fast akzentfreiem Deutsch, bevor er das Gespräch beendet. Die Suchanzeige, die er in den kroatischen Medien gelesen hat, beeindruckt ihn offenbar wenig: Im Gespräch mit der kroatischen Zeitung "Jutarnji List" tut er sie als "lächerlich" ab. Das sieht die SEC anders: Verinac soll in einen der spektakulärsten Wirtschaftskrimis in der Geschichte der Wall Street verwickelt sein. In den Jahren 2004 und 2005 verdienten er und seine mutmaßlichen Komplizen demnach durch Insiderhandel knapp 13 Mio. $. An der Spitze des angeblichen Rings standen Analysten der Investmentbanken Goldman Sachs und Merrill Lynch. Sie fütterten, so der Vorwurf, die restlichen Mitglieder mit Insiderinformationen und verrieten so laut SEC unter anderem die bevorstehende Übernahme des Sportartikelherstellers Reebok durch Adidas. Bruno Verinac soll über ein Depot beim österreichischen Internetbroker Direktanlage.at auf Unternehmen gesetzt haben, die ihm von den Analysten zuvor empfohlen worden seien. Zudem soll er Ideengeber für eine zweite, besonders raffinierte Variante des Insiderhandels gewesen sein: Im Herbst 2004 installierte die Gruppe laut SEC einen Spitzel bei einer US-Druckerei in Wisconsin, zu deren Kunden auch das Magazin "Business Week" zählte. Der Spitzel habe dann vorab Informationen aus der Börsenkolumne "Inside Wall Street" übermittelt, die häufig die Börsenkurse der diskutierten Unternehmen beeinflusste. So hätten die Insider vor allen anderen ihre Einsätze machen können - und weitere Millionen gescheffelt. Die Köpfe der Bande wurden bereits zu hohen Geldstrafen und Gefängnisstrafen verurteilt. Bruno Verinac gehört zu den letzten Verdächtigen, die sich noch nicht gestellt haben. Er wisse nicht, an wen er sich wenden solle, sagte Verinac der kroatischen Zeitung. Dabei hat die SEC ihm in den Anzeigen vorsorglich schon dazugeschrieben, wo er umgehend vorstellig werden sollte: SEC, World Financial Center, Raum 4300, New York. 08. April 2009 |