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FTD, 08. Mai 2009, Seite 1
Fehlt nur noch Trabi
Von Sven Becker

Die Pläne der Automächtigen werden immer skurriler. Der jüngste Coup: Opel will den Wartburg reanimieren. Und damit Dacia den Rang ablaufen

   Der letzte Wartburg, so meinte man bislang, lief am 10. April 1991 vom Band. Modell: 1.3. Typ: Limousine viertürig. Farbe: rot. Motorleistung: 43 Kilowatt. Höchstgeschwindigkeit: 130 Stundenkilometer. Preis: rund 15 000 Deutsche Mark.

   An jenem Frühlingstag endete nach 95 Jahren die Geschichte des Automobilwerks Eisenach (AWE). Zwar hatte sich mit Opel bereits ein neuer Investor in der thüringischen Kleinstadt angesagt. Für die alten Fabriken fanden die Rüsselsheimer aber keine Verwendung. Stattdessen errichtete Opel ein paar Kilometer weiter für 1 Mrd. DM das modernste Autowerk Europas. Die wenigsten der einst 10 000 AWE-Arbeiter fanden bei dem Westkonzern eine neue Anstellung.

   Nun, 20 Jahre sind seit der Wende vergangen, scheint es, als könnten Opel und Wartburg doch noch zusammenkommen. In Rüsselsheim werden Pläne geschmiedet, die frühere DDR-Premiummarke zu reanimieren - als Opel-Billiglabel. Das Ganze habe "einen gewissen Charme und wäre technisch umsetzbar", sagt ein Eingeweihter. Ein Sprecher bestätigt immerhin, dass die Idee zurzeit "als eine von mehreren" verfolgt werde. Laut "Auto-Bild" soll der Wartburg auf einem abgespeckten Corsa beruhen und in Eisenach gebaut werden. Als mögliches Basismodell käme die Stufenheckvariante infrage, die in Brasilien als Chevrolet Corsa verkauft wird.

   Hinter der Wartburg-Idee steht die strategische Überlegung des Konzerns, ins Billigsegment vorzustoßen - ein Plan, dem Opel-Chef Hans Demant seit Längerem anhängt. Als Vorbild dient den Rüsselsheimern der französische Konkurrent Renault, der in Osteuropa unter dem Namen Dacia preiswerte Modelle fertigen lässt. Die Marke hat sich spätestens mit der Abwrackprämie auch in Deutschland etabliert.

   Unter Experten ist der Sinn der Opel-Pläne umstritten. Zwar gilt der Billigmarkt (Autos für deutlich unter 10 000 Euro) als grundsätzlich zukunftsträchtig. Jedoch kündigten zuletzt einige Hersteller an, in das Segment vorzustoßen - am lautesten übrigens der Fiat-Konzern, der nun kundtut, mit Opel verschmelzen zu wollen. "Die Geschichten werden immer abenteuerlicher", sagt der Unternehmensberater Olaf Marx. "Man kommt in Eisenach nicht auf eine Kostenstruktur, wie sie Dacia in Rumänien hat."

   Auch an einem banaleren Problem könnte das Vorhaben scheitern: Die Rechte am Namen liegen bei der Wartburg-Stiftung, deren Hauptzweck es eigentlich ist, jene Burg zu verwalten, auf der Martin Luther vor 950 Jahren die Bibel ins Deutsche übersetzte.

   Der Idee, den Wartburg zu beleben, könne er "nicht viel abgewinnen", sagt Stiftungschef Matthias Launert.

FTD
08. Mai 2009



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